Genresk (2): High Fantasy mit Augenzwinkern

Lesedauer: 11 Minuten

Susanne Pavlovic und Michael J. Sullivan  (genresk)

Tolkien sah in meiner Vorstellung immer so aus wie Gandalf im Film: mit einem langem, grauweißen Bart und diesem schelmischen Grinsen zwischen den tiefen Krähenfüßen. Meine erste Ausgabe vom Herr der Ringe (grünes Paperback) war schmucklos, ohne Autorenbild, dafür mit schön gezeichneten Landkarten.
Ganz ernst nehmen konnte ich diese Geschichten von den kleinen „Menschen“ aus dem Auenland mit den dicken Füßen und ihrem permanenten Appetit noch nie. Und auch die Erfindung einer eigenen Elfen-Sprache kam mir eher ziemlich skurril und ein bisschen übertrieben vor – ich war noch keine Vierzehn. Erst im Linguistikstudium begriff ich die Leistung und auch die wissenschaftliche Akribie, mit der J.R.R. Tolkien seine Sprachmythologie betrieb. Trotzdem blieb er auch dann in meinem Kopf immer noch dieser nette Erzählonkel (obwohl ich inzwischen Bilder des Professors gesehen hatte), der mir eine unterhaltsame Geschichte mit englischem Humor und selbstironischem Pathos erzählen will.

Wenn man das Subgenre „High Fantasy“ also auf den großen Autor zurückführen will, so gehört neben mittelalterlichen Lebensverhältnissen, Völkergeschichten und Genealogien einer eigenen Welt, Liebe in Zeiten des Krieges, das Wiedererstarken wie Überwinden des Bösen, u.v.m … eben vielleicht auch dieses gewisse Augenzwinkern dazu: sich bei aller Epik doch nicht hundertprozentig ernst zu nehmen.

Genau in diesem Geist, aber in jeweils eigenem Stil schreiben der Amerikaner Micheal J. Sullivan und die Deutsche Susanne Pavlovic ihre mehrbändigen High Fantasy Reihen.

S. Pavlovic: Feuerjäger

Das komplette Fantasyregister in einem Band

Wenn jemand sprachlich ausgereift schreiben kann in der Fantasy-Szene, dann die Autorin Susanne Pavlovic. Sie beherrscht in Feuerjäger meisterlich fast jedes Versatzstück des Genres und kann mit knallharten Schwertkämpfen, sphinxhaften Rätseln, Run-and-Jump, Geistermagie in alten Gemäuer genauso aufwarten wie mit ritterlichem Heldenepos, Klamauk und Lagerfeuerromantik. Kein Wunder: Die Autorin ist zugleich Lektorin und hat zahlreiche andere Bücher (auch Fantasy) auf ihrem Weg zur Veröffentlichung begleitet. Ein gutes Gefühl für die treffenden Worte und für die Erwartungen des Fan-Publikums darf man bei ihr zu Recht voraussetzen. Bis zur Empfehlung durch eine liebe Bloggerkollegin kannte ich S. Pavlovic nicht. Ihre Bücher sind in dem eher kleinen Amrûrn-Verlag erschienen, der für Fantasyleser einiges zu bieten hat. Die Autorin wird schon lange nicht mehr nur als Geheimtipp in einem kleineren Kreis gehandelt, denn mit diesem Band gewann sie 2016 den Seraph, einem deutschen Preis für Phantastik.

„Feuerjäger. Band 1. Die Rückkehr der Kriegerin“ ist der Auftakt zu einer dreiteiligen Serie (2: Herz aus Stein, 3: Das Schert der Königin), die wie weitere Romane von ihr in der Welt von Abrantes spielen (Das Spielmannslied; Der Sternenritter; Die Herren von Nebelheim; Drei Lieder für die Königstochter). Der Umfang der Trilogie ist mit 2.300 Seiten eines Tolkiens überwürdig. Bei mir ist es bis jetzt beim ersten Band geblieben, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Rückkehr der Kriegerin …

… spielt in zwei voneinander unabhängigen Handlungssträngen, die natürlich ineinander verwoben sind und auf den letzten fünfzig Seiten zusammenfinden.
In einem steht die Hauptmännin Krona im Mittelpunkt, die ihres Kriegshandwerks zwischen den Fronten der Mächtigen überdrüssig geworden ist und nach ein bisschen Geld für einen ruhigeren Lebensabend sucht. Kurzerhand verdingt sie sich für eine Schatzsuche, die ordentlich Lohn verspricht. Zwei weitere Mitstreiter lassen sich anwerben, Fenrir ein ernster Mensch (und Wechselbalg zum Wolf, wie sich zeigt) und Pintel, ein lustiger Kleinzauberer (der auch mal im Verlauf größeres zuwege bringt). Die Schatzsuche stellt sich als eine Queste in einer Höhle heraus, bei der sie wie Indiana Jones alle denkbaren Gefahren, Rätsel, Geschicklichkeits- und Zauberaufgaben bestehen müssen, um am Ende festzustellen, dass die Auftraggeberin nicht die scheinbar nette junge Frau ist, sondern eine getarnte Feuerdämonin (Valdar), die mit dem gefunden „Totenschädel“ mehr Macht gewinnt.

Der zweite Erzählstrang führt den vom Kampf entstellten einhundertvierzehnjährigen Zwerg Thork mit der jungen und wunderschönen Prinzessin des Fahrenden Volkes Lianna zusammen. Unwahrscheinlich und märchenhaft. Beide jagen einen großen Troll. Warum sie eigentlich auf die Jagd gegangen sind, habe ich vielleicht überlesen (Thork hat ihm vermutlich das fehlende Auge zu verdanken … Lianna, weil er Angehörige ihres Volks getötet hat?). Jedenfalls pochen beiden auf ihr Recht, ihn zu erledigen, kämpfen miteinander, folgen dem Gejagten weit hoch ins Gebirge, merken, dass sie aufeinander angewiesen sind, selbst um sich in der eisigen Kälte gegenseitig lebenserhaltend zu wärmen … Tja und dann passiert, was in kein Weltbild passt. Dumm nur, dass beide Völker dermaßen böse Vorurteile gegeneinander hegen, dass diese Liebe nicht sein darf. Nach langer Jagd und nettem Zeitvertreib unter der Lagerfeuerdecke erlegen sie schließlich den Troll. Und nu? Sie trennen sich.
Lianna kehrt zu ihrem Volk zurück, soll heiraten, und kann es nicht, wofür sie schließlich ausgestoßen wird, auf die Suche nach Thork geht und unterwegs eine seltsame Begegnung mit einem Zauberer hat, der ihr etwas Wertvolles (Markstein) übergibt. Thork kehrt in die Tristesse seiner Schmiede zurück und versinkt in Trauer und Alkohol, bis auch er sich aufmacht.

Nach dem Angriff auf ein Zwergenkloster, bei dem ebenfalls ein „Totenschädel“ gestohlen wird, schickt man den Experten für Feuerdämonen Nardon gemeinsam mit einem alten Weggefährten Lomir auf die Suche nach weiteren dieser Artefakte, um sie zu schützen. Dabei treffen sie auf  die Mitstreiter von Krona, die selbst fälschlich wegen Mord (an ihrer Auftraggeberin) verhaftet wurde. Ihr gemeinsames Anliegen macht sie schnell zu Verbündeten. Nach der Befreiungskation sind sie zu fünft unterwegs, reisen zu einem Gefängnis eines verstorbenen Zauberers, erfahren von dessen verstorbenem Geist mehr über die Totenschädel-Relikte, geraten in einer Stadt in einen Zwist zweier Unterwelt-Gangs, sitzen eine Weile in einem Häuschen im Schnee fest, kochen, reden, nehmen sich gegenseitig hoch … und die Handlung kommt kaum mehr voran … Bis sich ganz am Ende Zwerg Thork und Prinzessin Lianna finden, zusammen leben und von den Weggefährten entdeckt werden, die den Markstein von Lianna als wichtiges Relikt auf ihrer Suche erkennen und ihm zum Schutz vor dem Feuerdämon an sich nehmen.

Zuviel des Guten und des Augenzwinkerns

Bis etwa zur Mitte des Romans war ich begeistert und dachte: eine tolle Neuentdeckung – endlich jemand, die wirklich das sprachliche Handwerk grandios beherrscht. Dann aber war ich ab der zweiten Hälfte
mit jeder Seite ein klein wenig mehr entzaubert, bis ich die letzten 100 Seiten (von 650) nur noch aus Pflichtgefühl gelesen habe. Dem Kompliment bezüglich der sprachlichen Gestaltung tut dies keinen Abbruch, aber Dramaturgie, Komplexität und Figurenentwicklung sind eben auch entscheidend für den dauerhaften Lesegenuss. Und da wird es für meine Empfinden mit immer dickeren Seitenzahl immer dünner.
Die Fünfergruppe entwickelt eine kumpelhafte Dynamik des Neckens und Veralberns, die über die verbleibenden 300 Seiten schlicht nervt. Der Erkenntniswert ihrer Unterhaltungen und Unternehmungen ist ausgesprochen dürftig und damit stellenweise so banal, dass auch die sprachlich perfekten Formulierungen nicht über die Langeweile hinweghelfen.
Kein Topos aus der Fantasy wird ausgelassen, selbst die vielbesagten „Ringe“ (564) nicht, so dass es manchmal wie ein Kompendium der Spielvarianten von Fantasy wirkt, immer mit einem leichten Augenzwinkern, nie ganz ernst, aber auch nie persifliert oder komplett auf die Schippe genommen. Das trägt nicht, weil schlicht die dramaturgische Linie fehlt. Der Weltenbau könnte mit der „Theorie von der unendlichen Anzahl alternierender Existenzebenen“ (275) spannend sein, würde er sich selbst etwas ernster nehmen und nicht sofort zum „Unbedingt-verhindern-sonst Riesenschlamassel-Ding“ (275) degradiert werden.
Nur die Liebesgeschichte hat mich restlos begeistert, immer schön erzählt im Wechsel aus beiden Perspektiven, als zarte Annäherung von knallharten Typen und zwei unendlich weit auseinander liegenden Welten. Grandios, obwohl ich für Romance nicht leicht zu begeistern bin.

In Summe: Wunderbar erzählt, ein begeisternde sprachliche Gestaltung von Beschreibungen, Szenen und Dialogen, aber leider eine dürftige Dramaturgie. Typisch High Fantasy in seiner Ausführlichkeit und in seinen unzähligen Elementen, Augenzwinkern immer gegenwärtig, nur einfach für meinen Geschmack deutlich zu viel davon.

M.J. Sullivan: Riyria

Der Aufstieg der Diebe

Alles beginnt, als Hadrian und Royce im Auftrag eines geheimnisvollen Kunden ein Schwert aus den königlichen Gemächern von Melengar rauben sollen und tief im Verlies des Schlosses enden. Anklage: Mord. Dumm gelaufen.
Wer jetzt einen hintertriebenen höfischen Roman voll Politik, Intrigen und Duellen wittert, oder gar einen Schurkenroman, der in der kriminellen Unterwelt (Low Fantasy) spielt, der sei gewarnt: beides trifft nicht den Kern von Michael J. Sullivans 6-Teiler Riyria. Aber auch die Beschreibung des Verlags bleibt vage: „alles (…), was Fantasyleser lieben: Abenteuer und Verrat, Schwertkämpfe und Liebe, Mythen und Magie.“
Was ist es denn nun?

Der Thron von Melengar (Riyria 1)

Royce und Hadrian sind Diebe von Ruf, unabhängig von der Gilde und selbst Straßenräuber halten sich (zu Recht) von ihnen fern, wie wir in der ersten Szene erfahren. Nach dieser lustigen Begegnung entwenden die beiden als ersten Coup vermeintliche Liebesbriefe (tatsächlich eine Verschwörung), die in falsche Hände gelangt sind – die Anbahnung der Machtbestrebungen der imperial Gesinnten im Nachbarland von Melengar, der politisch in den Folgebänden erst eine wichtige Rolle spielen wird.
Als zweites heuert sie ein deWitt an, das berühmte Schwert eines Kontrahenten vor dem Duell zu beschaffen. Satt des Schwertes finden sie in der Kapelle den erdolchten König und landen unter Mordverdacht im Verlies, bereit für ihre Hinrichtung. Die Tochter des Königs, Prinzessin Arista, befreit sie, weil sie den wahren Mörder kennt, ihn aber nicht anklagen kann. Die Auflage ist nur, den ebenfalls gefährdeten Thronfolger, Prinz Alric zu entführen und ihn zu einem „Gutaria-Gefängnis“ zu bringen. Flucht und Entführung gelingen. Auf der Reise gesellt sich der Mönch Myron zu ihnen, dessen Kloster von dem Imperialen niedergebrannt wurde.
Das Gefängnis ist, wie der kluge Mönch weiß, ein magischer Ort, an dem der Zauberer Esrahaddon verwahrt wird, angeklagt, vor über tausend Jahren den Imperator getötet und das alte Reich vernichtet zu haben. Mit Hilfe des Ring des Prinzen gelangen sie zu dem Zauberer, der seine Unschuld beteuert und davon berichtet, einen Erben des Imperators gerettet zu haben, dessen Nachkommen noch immer leben müssten. Prinz Alric will Esrahoddon als Berater mit an den Hof nehmen, doch der Zauber geht seine eigenen Wege.
Inzwischen ist der Prinz überzeugt, dass jemand in seinem Reich nach seinem Thron trachtet und sammelt Verbündete. Die Zeit drängt, denn die Diebe erfahren, dass die Prinzessin von ihrem Onkel des Hochverrats angeklagt wird und ihre Hinrichtung bereits bevorsteht. Während der Prinz mit einem kleinen Heer vor die Hauptstadt Melengars zieht, übernehmen Royce und Hadrian die Befreiung der Prinzessin, müssen dabei im Schwertkampf den Onkel besiegen und einen gemeingefährlichen Zwerg und seine Fallen ausmanövrieren. Alric wird König, die Diebe reich belohnt. Aber die Bedrohung von außen durch diejenigen, die das Imperium wieder aufbauen wollen, ist bereits präsent. 

Gilarabrywn – die Welt von Riyria

Ein Gilarabrywn ist ein mit der Magie der Elben erschaffener Drache, der praktisch unbesiegbar ist, es sei denn mit einem Schwert, in das sein wahrer Name eingraviert ist. Dieses Wesen kommt in Band 1 noch gar nicht vor, ist aber ein schöner Zungenbrecher (muss man mal auf englisch sprechen!), extrem schwierig zu merken und ein Spaß, den ich mit meinen Kindern teile: Immer wenn etwas sehr strange ist, sagen wir „Gilarabrywn“.
Der magische Drache spiegelt etwas von der Welt, in der Riyria spielt. Oberflächlich kämpfen die verschiedenen Staaten von Elan um die Vorherrschaft, zwischen den Parteien der Nationalisten (die einen vom Volk gewählten Regenten anstreben), Royalisten und Imperialisten (die das vergangene Imperium wiedererstehen lassen wollen). Doch dahinter steht eine alte Dualität, zwischen Elben und Menschen, zwischen Magie und Weltlichkeit, zwischen der Kirche Novrons und den alten Göttern, zwischen dem vergangenen Imperium und dem derzeitigen Machtgefüge. Und zwischen Hadrian und Royce, die sich in der weiteren Entwicklung als Antipoden und Vertreter beider Welten zeigen und dennoch immer zusammen stehen.
Das verspricht spannende Verwicklungen, unerwartete Enthüllungen, aussichtslose Kämpfe und ein Ende, das nicht ohne Verluste und Tod, aber doch befriedigend abschließt.

lebendige Stereotypen in jugendbuchtauglichem Stil

Pädagogisch wertvoll würde ich als Siegel für die Reihe mit 6 Bänden nicht vergeben, aber einfach sehr nett zu lesen, eine Abenteuergeschichte vergleichbar mit Karl May in meiner Generation, nur eben mit Fantasyelementen. Wie auch bei besagtem Altmeister des Abenteueromans finden sich bei Sullivan durchaus recht einseitige Beschreibungen von Wilden, brutale Wesen wie die Goblins ohne Ambivalenz, kompromisslos machtgierige Herrscher, das Auslassen jeglicher Form von gleichgeschlechtlichen Beziehungen und manches mehr, was nicht unbedingt zu einem bunten Weltbild beiträgt. Aber wenn auch Stereotypen im Kopf Modell für manche Romanfiguren gestanden haben, sind sie trotzdem äußerst lebendig ausgestaltet (immerhin agiert eine Prinzessin als gewählte Bürgermeisterin und eine Bauerstochter als Imperatorin), so dass die Einseitigkeiten beim Lesen nicht direkt auffallen.
Von kleineren Exkursen über die Götter in Elan und der Erklärung von Prinzipien der Magie u.ä. bleibt die ganze Reihe einem zügigen Erzählstil treu, der stark dialoglastig ist und den Geschehnissen um die zentralen Protagonisten Royce/Hadrian (meist zusammen), Arista, Alric chronologisch folgt, ab und an durch kleine Szenen an anderen Schauplätzen oder kleinen Rückblenden (ganz selten!) unterbrochen.
In auktorialer Neutralität werden die Szenen und die Beweggründe der Handelnden beschrieben, ohne tiefere Einblicke in die Psychologie der Charakter zu gewähren. Das Paar Hadrian und Royce, der gutmenschliche Schwertmeister und der dunkelsarkastische (Halb-)Elbe, ist immer gut für clevere Witzigkeit und schlagfertige Dialoge, die auch noch der dramatischsten Wendung einen Hauch von Leichtigkeit verleihen.
Insgesamt ist Riyria eine Abenteuergeschichte mit Fantasy-Einschlägen in recht klassischer Weise, die klar und einfach gehalten, aber sehr lebendig gestaltet ist und deshalb als Lektüre für Jugendliche und jugendlich Gebliebene ein angenehmes Leseerlebnis bereiten wird.
Obwohl ich alle Bände gelesen habe (z.T. auch als Hörbuch), bin ich hinterher immer durcheinander gekommen, ob jetzt eigentlich Royce der Kämpfer war oder der Halbelbe. Oder war das Hadrian …? Peinlich eigentlich, fand zumindest mein Sohn, der jedes Detail zu beiden Figuren wusste. Für mich aber ein Indiz: Es ist halt doch nur nett und unterhaltsam, ohne dass es mich in irgendeiner Weise bewegt hätte.

M.J. Sullivan und Susanne Pavlovic

Fazit

Beide Mehrbänder sind typisch für High Fantasy in der Tradition von Tolkien, insofern genresk, wenn auch nicht von der sprachwissenschaftlichen Patience ihres Vorgängers getrieben. Dafür ist der Erzählstil beider Werkreihen ähnlich wie im Hobbit flott und klassisch auktorial-neutral (also ein fast alles wissender Erzähler) gehalten, was sie zu einer unterhaltsame Lektüre macht, die bei Jugendlichen und Junggebliebenen gut ankommt.
Susanne Pavlovic besticht durch ihren überaus bunten Reigen an alle denkbaren Genre-Elementen und einem präzise und trotzdem lockeren Sprachstil, verliert sich aber zu sehr in ihren Figuren und bleibt eine durchgehend spannende Dramaturgie schuldig. Michael J. Sullivan beherrscht sowohl die prägnant-unterhaltsame Sprache wie auch die Abwechslung in der Länge, lässt aber schmerzlich Sperriges, Unkonventionelles und Modernes vermissen und war für mich etwas zu glatt.
Trotz dieser Kritik sind es zwei Reihen, die bei Fans von mittelalterlicher Fantasy nicht im Regal fehlen dürfen.

 

Susanne Pavlovic: Feuerjäger. Band 1. Die Rückkehr der Kriegerin, Amrûn 2015, 650 Seiten.

Michael J. Sullivan: Der Thron von Melengar. Riyria 1, Hobbit Presse 2014, übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann, 379 Seiten.


Hintergrundinfos

  • In das Subgenre High Fantasy führt Alessandra Ress in einem Essay auf Tor-online ein.
 
Zitate:

Abend für Abend betrachtete er sie und staunte über die Vollkommenheit, die sich seinen Blicken bot, sie war lebendig und warm und voller Heiterkeit, und sie berührte ihn auf eine Art, die ihn hilflos machte.  (148)

Und über Zeiträume, die selbst für Zwerge sehr, sehr lang waren, hielten sich die Zwerge von den Menschen fern, weil die glaubten, dass alles Böse auf der Welt durch die Menschen entstehe, durch ihr hitziges Temperament, die übereilte Lebensweise und das verwerfliche und kurzsichtige Streben nach Macht, ebenso wie die Menschen glaubten, dass die Zwerge in ihren Bergen das Böse ausbrüteten. Und so kommt es, dass heute noch junge Menschen, die einen Zwerg gesehen haben, die Überzeugung in sich tragen, er sei hartherzig und goldgierig …  (179)

„Es sind ja extradimensionale Pfannkuchen!“, erklärte Pintel. „Der Grundsatz, dass Materie zu einem bestimmten Zeitpunkt immer nur einen bestimmten Ort einnehmen kann, gilt für sie nur bedingt, das sie ohnehin völlig ohne Materie funktionieren. Was allerdings nicht heißt, dass nicht Existenzen aus anderen Ebenen in unserer Ebene materialisieren können. Siehe die Feuerfrau.“ – „Äh“, sagte Krona. „Ist dieses – Pfannkuchen-Dings – irgendwie wichtig für Plan B?“ – „Na ja“, sagte Pintel. „Es ist die Grundlage.“ (335)

Susanne Pavlovic: Feuerjäger. Band 1. Die Rückkehr der Kriegerin, Amrûn 2015

 

Arista schien nicht belustigt. „Das ist eine Möglichkeit, die andere ist, euch in vier Stunden zu Tode foltern zu lassen.“ „Klingt für mich nach einem sehr überzeugenden Plan“, erklärte Hadrian. „Royce?“ „Mir gefällt jeder Plan, der nicht beinhaltet, dass ich einen grässlichen Tod sterbe.“ (92)

Drunten, eingerahmt von den Schluchtwänden, lag der See wie ein Spiegel, der den Himmel reflektierte. Ab und zu gleißte er hell auf, wenn es in der Ferne blitze. (136)

„Siehst du“, sagte Royce unwirsch, „das ist das Problem mit deinen guten Taten: Sie hören nie auf.“ (228)

Michael J. Sullivan: Der Thron von Melengar. Riyria 1, Hobbit Presse 2014.

 

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