Dar-Rashûk - Leseproben

Der Anfang

Das Unmögliche war tatsächlich geschafft.
Doch statt Erleichterung zu verspüren, klammerte sich ganz unerwartet eine namenlose Angst in ihrem Nacken fest, deren nadelspitze Krallen sich durch den Mantel gruben und tief in die vom Schweiß genässte Haut eindrangen

Ein geheimnisvolles Wesen stiehlt ein magisches Buch und bringt die Ereignisse damit ins Rollen.
Die vierzehnjährige Avyna spürt etwas, intuitiv. Als sie ihrem Vater davon berichten will und auf seine Vergangenheit anspielt, geraten sie wieder einmal aneinander. Bekümmert von diesem Streit bringt Thomas seinen Sohn Larin ins Bett und lässt sich von ihm zu einer Gutenachtgeschichte überreden, die er gar nicht erzählen wollte. Allerdings hätte sich der Zwölfjährige etwas mehr Action und Spannung erhofft …

„Hatten Sie schon einmal ein Gespräch mit einem Vampir? (…) Nein? Keiner von Ihnen? Nicht einer? (…) Nun, das wäre sehr anregend. Sie gehören zu den interessantesten und geheimnisvollsten Wesen, die man sich vorstellen kann. Die echten Vampire sind anders, haben eine ganz eigene Sicht auf die Welt, weil sie entgegen weit verbreiteter Meinung niemals Mensch waren und doch auf eigentümliche Weise mit diesen verbunden scheinen. Während Sie sich inmitten eines zunehmend schwermütigen Gesprächs über die Sinnlosigkeit des Lebens befinden, würden Sie es kaum bemerken, dass ein leichtes, kribbelndes Ziehen aus den Lendenwirbeln heraus langsam Ihre Wirbelsäule entlang hochzieht.“
In seiner Psychologievorlesung doziert Thomas über die Urängste des Menschen und wie diese in modernen Vampirgeschichten verarbeitet werden. Plötzlich steht jemand auf und droht ihm und seinen Kindern.

Die Urängste

Das Tor zu den Toten

Ein leiser Gesang setzte von überall her ein, und ich war sicher, dass nun die eigentliche Zeremonie begann. Eine Zeit lang geschah nichts, nur die gleichmäßigen Tonfolgen breiteten sich in der Halle aus und das Echo überlagerte sie zu einem vielstimmigen Chor, harmonisch schön und chromatisch ungereimt zugleich. Eigentlich war es ein fast erhebender Moment, an diesem unglaublich beeindruckenden und mystischen Ort einer so fremden und wunderbar eingängigen Musik zu lauschen.
Was dann folgte, war entsetzlich

Einer seiner ersten Aufträge als Dar-Rashûk führte Thomas vor dreißig Jahren nach Kappadokien. Er wird dort Zeuge eines grausames Rituals in einem alten Tempel der Hethiter. Dieses Erlebnis war zutiefst verstörend und erst als Thomas es mit seiner Familie teilt, begreift er den eigentlichen Sinn.

„Uns, den Menschen geben manche die Schuld, wie wir gehört haben. Verzeiht, wenn ich diesen Demagogen entgegenhalte, wie lächerlich eine solche Schuldzuweisung in meinen Ohren klingt. Als jüngstes Mitglied sind wir gewisslich am wenigsten verdächtig, weil wir für all die grundlegenden Prinzipien, die diese Versammlung konstituieren, nicht im Geringsten verantwortlich zu machen sind. Ein Blick auf die Geschichte des Hohen Rates würde dies unzweifelhaft belegen, verehrte Räte. Leider werden bei uns Menschen in vielerlei Hinsicht ungleiche Maßstäbe angelegt. Allein, wenn wir daran denken, dass unsereins noch nicht einmal von der Existenz der anderen Wesenheiten erfahren darf … Das große Geheimnis muss auf Geheiß der Mächtigen in diesem Rat vor uns Menschen verborgen bleiben, dass sie, dass alle der hier Anwesenden …, dass Ihr  im Verborgenen leben könnt, so wie es Euch beliebt!“

In einer absolut dunklen Höhle kommt der Hohe Rat zusammen. Kalen, die Hüterin der Menschen, prangert die Ungleichheit  zwischen den Wesenheiten an und forderte dazu auf, die alte Tradition des „Chat’la“ aufzugeben. Doch damit verspielt sie mehr als nur ihre Privilegien als Hüterin …

Der Hohe Rat

Der Kreis der Eingeweihten

„Hallo, mein Name ist Steve. Ich bin ein Veränderter und möchte euch meine Geschichte erzählen“.
Ein Veränderter? Was um alles in der Welt sollte das bedeuten? Dieser Steve war ein junger Mann, vielleicht Anfang oder Mitte dreißig, extrem schlank, Jeans und Holzfällerhemd, das fantastisch, aber fast schon klischeehaft zu seinem amerikanisch klingenden Namen passte. Der dazu gehörende Akzent, wie man ihn fast erwarten würde, fehlte.
„Hallo Steve, du bist willkommen mit dem, wie du die Welt betrachtest.“

Die Regierungsbeamtin Sophie hatte eine beängstigende Begegnung mit den Rykanern. Seither vermutet sie, dass diese Vampirwesen etwas Furchtbares planen. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf eine Gruppe, deren Mitglieder sich die „Veränderten“ nennen und alles über sie zu wissen scheinen.

„Ja, Sie wissen schon, diese blutlosen Untoten, die sich deshalb über die Menschen hermachen, ihr Blut trinken, und denen man nur mit Holzpflöcken beikommt …“
Evelyn redete sich in Fahrt, ohne dass Avyna einfiel, wie sie ihre Freundin stoppen konnte.
„Das ist natürlich alles totaler Quatsch, hab’ ich gegoogelt. War nur dieser Sam Broker, oder wie der hieß. Der schrieb im letzten Jahrhundert so einen kitschigen Roman. Hab’ ich mir übrigens für umme als E-Book geladen, aber das ist ja ein schlimm langweiliges Werk, haben Sie da mal reingelesen? Echt nicht mein Ding, kann ich Ihnen sagen.“
Was um alles in der Welt erzählte Evelyn da? Der Mann war ein völlig Fremder …

Die beiden Freundinnen Avyna und Evelyn besuchen eine Ausstellung im städtischen Museum, weil sie hoffen, dort etwas über die Magie der Rykaner zu erfahren, aber sie entdecken mehr als ihnen lieb ist und verlieren viel …

Die Geheimnisse des Blutes

Eine Stadt der Gläubigen

„Fontanelle …“
„Was ist Fontanelle?“
„Un cimitero.“
„Ein Friedhof? Was wollen wir denn jetzt auf einem Friedhof …?“ Bei dem Gedanken, der sich wie ein ungebetener Gast hereinschlich, wurde es ihm kalt ums Herz. „Du denkst doch nicht etwa, dass wir meinen Freund dort finden?“
„Ma non! Wir treffen Chiara! Das ist alles. Sie wird helfen!“

Neapel ist ein mystischer Ort. Auf der Suche nach einem Freund steigt Thomas in die Unterwelt der Stadt hinab und trifft unerwartet auf ein sehr altes Wesen, das ihm auf eine merkwürdige Art Hilfe in Aussicht stellt …

 

Calibria Salibarum

[unbek.]

Redewendung: Erwarte das Unglaubliche

Çay

[türk.]

türkischer Tee

Cezve

[türk.]

Behältnis zum Kochen von Mokka-Kaffee

Chaim-Krataran

[salerisch]

oberster Würdiger, bezeichnet das Oberhaupt der Rykaner

Chaira

[Name]

Orakelbrunnen in den Höhlen unter Neapel

Chat‘la

[SdU]

Tor

Chav-dour

[salerisch]

Magie, die eine Veränderung von Raum und Zeit bewirkt

Der Anhang ist ganz schön dick … Neben der kurzen Auflistung der Personen werden Begriffe aus anderen Sprachen übersetzt und erklärt.

Personen und Begriffe